Malaysia – zu Fuß über die Grenze ins Paradies

Malaysia


Nicht nur Malaysia, sondern ganz Südasien ist eine der besten Regionen um als Backpacker länger zu reisen. Es ist günstig, die Natur viel zu bieten und die Kultur ist so wunderbar anders als in Deutschland bzw. Europa. Thailand ist nicht erst seit gestern eines der Top-Ziele von allen Rucksacktouristen. Ich würde es allerdings nicht mehr empfehlen, da es mittlerweile einfach überlaufen ist von allen Abiturienten die vor dem Studium nochmal auf Abenteuerjagd gehen wollen und sonstigen Sex-, Schönheitsoperation-, Tattoo-, und Shopping-Touristen. Nein, das hört sich ein wenig zu hart geurteilt an. Thailand hat sicherlich auch traumhafte Ecken vor allem auf den kleineren Inseln. Aber mein letzter Thailand-Stopp war in Phuket und für mich war das einfach der Supergau an schlechtem Geschmack. Ich meine die meisten Touri’s fühlten sich dort mit Sicherheit pudelwohl weil es nicht nur deutsche Kneipen mit Currywurst und Bundesliga gab, sondern man musste nicht ein einziges Mal von seiner Strandliege aufstehen, da von Ledergürteln, iPhone-Hüllen, Tattoos und jeglichen kulinarischen Highlights alles an den überlaufenden Strand gekarrt wurde. Für die meisten wohl das Paradies um zwei Wochen im Jahr von westlichen Standards zu fliehen um die selben Dinge (nur halt schlechter) dort wieder zu finden. Für mich ein Albtraum.

Da allerdings die meisten Flugverbindungen einfach immer über Thailand am günstigsten sind wenn man aus oder nach Deutschland will, bin ich mittlerweile schon 4 oder 5 mal dort zwischengelandet und habe die verschiedensten Ecken erkundet. Diesen Februar auf dem Weg nach Australien, kam ich nun wieder in Bangkok an. Bangkok oder auch andere asiatische Großstädte wie Kuala Lumpur oder Singapur sind einfach nicht wirklich mein Ding. Wenn schon Hitze und Luftfeuchtigkeit das mir fast der Kopf platzt, dann bitte in Strandnähe und nicht zwischen Hochhäusern, Starbucks und McDonald. Ich möchte reisen um etwas zu sehen was es nicht zu Hause gibt. Und es macht mich eher traurig in Ländern mit einer hohen Armutsrate, amerikanische oder europäische Konzernniederlassungen vorzufinden, die die Touristen (und vielleicht auch die Einheimischen) auf den ersten Blick glücklich machen, auf den zweiten Blick jedoch mehr Zerstören als Gutes zu tun. Jedenfalls wollte ich Bangkok so schnell es ging wieder verlassen um mehr vom Ursprung des Landes zu sehen, doch es ist ziemlich schwer dem Massentourismus hier zu entfliehen und kein Opfer der Full Moon Parties zu werden. Also machte ich mich auf den Weg nach Malaysia. Mit Zug und Bus kann man in den meisten asiatischen Ländern wirklich sehr sehr gut und günstig reisen. Am besten fährt man mit dem Overnight-Bus/Train und man hat keinen ganzen Tag verschenkt sondern nur die ganze Nacht die Fahrt durchgeschlafen. Das ist wirklich super organisiert. Vor allem in Thailand war ich von den Zügen jedesmal entzückt. Zu hoch darf man seinen Anspruch natürlich nie setzen oder irgendwas mit Europa vergleichen aber gerade dieses „on the road feeling“ also wie man von einem Ort zum anderen kommt, ist das was das reisen ausmacht und so spannend ist. Ich bin also von Koh Phangan erst mit einem riesigen Fährschiff, dann Bus und dann Zug bis zur malaysischen Grenze gefahren. Dort wird man an der letzten Haltestelle schon von diversen Taxi- und Motorrollerfahrern empfangen die einen über die Grenze fahren wollen. Aber ich lief zu Fuß. Ohne die geringste Ahnung wie lang der Weg war oder was mich dahinter erwartete und ob ich danach zu meinem nächsten Ziel überhaupt weiter kam, lief ich erstmal los und fragte immer wieder Leute auf der Straße mir den Weg Richtung Grenze zu zeigen. Und zack war ich nach ein paar hundert Metern in einem anderen Land. Das war ein Jungfernweg für mich, noch nie hatte ich eine Grenze zu Fuß überschritten.

Mein nächstes Ziel: Perhentian Islands. Und hier mein ultimativer Tipp für’s sparsame Reisen. Ich habe mich auf einer Webseite angemeldet die Volontiere und Hosts zusammenbringt. Man kann also online in jedem Land das einem gefällt und das man bereisen möchte, seine Arbeit gegen Unterkunft und Verpflegung anbieten. (Es gibt verschiedene Webseiten aber ich habe diese genutzt: www.helpx.net)  Oftmals ist die „Arbeit“ sowas wie Englisch unterrichten bzw. sich einfach nur unterhalten oder im Haus oder im Garten helfen. In Malaysia habe ich dann auf dieser kleiner Insel von der ich zuvor noch nie gehört habe, für einen Typen der sich Hammock-guy nannte (also Hängemattentyp) auf einem Campingplatz im tropischen Urwald volontiert. Der Weg war das Ziel. Und das Ziel war das Paradies.

Denn der Weg war wirklich turbulent und abenteuerlich, denn nachdem ich nun auf der anderen Seite der Grenze angekommen war, hatte ich keine Ahnung wie es weiter ging. Taxi wollte ich nicht fahren, weil ich mir das Geld sparen wollte und man mit dem normalen Linienverkehr einfach mehr erlebt auch wenn es einen ganz schön auf die Probe stellen kann. Und das alles bei 36 Grad und dickem Rucksack auf dem Rücken. Aber der Linienbus ließ sich auch auffinden und der brachte uns zum nächstgrößeren Busbahnhof und von da aus weiter zum Hafen. Dort angekommen musste ich feststellen, dass die letzte Fähre bereits abgelegt hatte und alle Zimmer ausgebucht waren. Ich hatte mich nicht um eine Unterkunft gekümmert, weil in meiner naiven westlichen Planung locker Zeit gewesen wäre an einem Tag bis zur Insel zu kommen. Nach herumfragen und umherirren durch die Gassen führte mich ein junger Malaysier in ein kleines Hotel. Super, es gab doch noch ein Zimmer, aber ich hatte nicht genug Bargeld. Der junge Mann wollte mir den Weg zum ATM zeigen und ging mit mir zurück in die dunklen Gassen. Wir liefen und liefen und immer wieder fragte er mich nach meinem „Boyfriend“ und bot mir seinen Arm zum abstützen oder einhaken an und mir wurde die Situation immer unangenehmer. Ich finde es manchmal einfach schwierig als Frau nicht denjenigen vor den Kopf zu stoßen die es wirklich nur nett meinen aber die anderen deutlich und laut in die Schranken zu weisen. Ich vertraute meinem Bauchgefühl, erfand einen abstrusen Grund um abzuhauen und ging mit großen Schritten davon. (Er konnte mir nicht schnell genug folgen, da er in seinen viel zu großen Schuhen nicht optimal laufen konnte und einfach seine Schritte zu klein waren um mit mir mitzuhalten.) Nachdem einchecken und Zimmer beziehen, stellte ich dann noch fest, dass in diesem Teil Malaysias der Islam strenger gelebt wird und es nirgendwo Alkohol gab. Dann mussten wir eben die nächsten Tage und Wochen mit Wasser zum Abendessen auskommen.

Am nächsten Morgen ging es dann nun endlich zum Hafen und von da aus mit dem Boot zur Perhentian Island. Ich war heilfroh dass ich das Frühstück verschlafen hatte, denn bei dieser rauen See wäre mir es sicher noch einmal (wörtlich) durch den Kopf gegangen. Wir mussten immer wieder kurz anhalten oder langsamer werden, da vier von sechs Leuten  sich zwischenzeitlich über Bord übergeben mussten und ich war vom spritzenden Meerwasser nass bis auf meine Unterwäsche und heilfroh als wir endlich ankamen. Nun hieß es das Camp zu finden und ich fragte mich durch. Alle zeigten in die eine Richtung und sagten ich könne es nicht verfehlen. Also lief und lief ich am Strand entlang, an Bungalows und Restaurants vorbei, dann an den Unterkünften der Einheimischen und dann kam nur noch Regenwald. Der Pfad wurde immer schmaler und umgestürzte Palmen lagen im Weg und ich war mir nicht mehr sicher ob es sich wirklich um die richtige Strecke handelte. Aber wo sollte es schon hingehen. Die Insel ist klein, irgendwann musste ich irgendwo ankommen wenn ich am Wasser entlang lief, im schlimmsten Falle wieder am Anfang. Es war so heiß und mein Rucksack wurde immer schwerer. Endlich nach gefühlten fünf Tagen Anreise stand dort das buntbemalte Schild „Rainbow Campsite“ und ich war erschöpft aber glücklich. Das Paradies lag vor mir.
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Die nächsten Wochen sollte das mein zu Hause sein. Wir schliefen in Baumhäusern und aßen was die Jungs morgens vom Fischerdorf überschifften und ich dann für alle kochte. Es war das einfache Leben aber es war traumhaft. Ich schnorchelte nach Korallen um damit die Toiletteneingänge besser zu zementieren, bemalte Schilder zur Orientierung der Touristen und bastelte Dekoration aus Muscheln. Zwischendrin gingen wir angeln, schlugen Kokosnüsse von Palmen oder kletterten nach Bananen, tauchten mit Schildkröten und Clownfischen, lasen tolle Bücher die andere dort vergessen hatten in der Sonne, machten nachts Lagerfeuer am Strand und teilten uns die letzte Flasche Rum die jemand vom Festland rüber geschmuggelt hatte. Immer wenn sich Leute in unsere Bar verirrten oder tatsächlich im Camp einchecken wollten, hatte ich das Gefühl jemand spazierte einfach so in meine Küche so sehr heimisch fühlte ich mich schon dort. Oder wenn ich morgens unseren privaten Strand von angeschwemmten Plastikmüll säuberte und kleine Ruderboote anlegten mit Leuten die schnorcheln oder sich sonnen wollten, dachte ich jemand kommt einfach ungefragt in mein Wohnzimmer. Aber jeder der kam, blieb meistens länger als geplant und teilte seine Geschichten und Erfahrungen. Es war ein tolles Gefühl von Freiheit und Minimalismus und spannenden Ideenaustausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und ich genoß außerdem dass die Insel so gute wie nie Verbindung zum Internet hatte. Ein völlig neues aber zugleich befreiendes Gefühl. Diese Reise war etwas ganz Besonderes und ich werde immer freudig daran zurück denken, wie schön es sich anfühlt in der Natur zu schlafen, mit der Sonne aufzustehen und permanent Meeresrauschen im Ohr zu haben.

Malaysia      Malaysia

 

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Lies auch einen meiner anderen Blogpost z.B. über mein Leben in Indien oder meine Erfahrung in Australien.


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2 Kommentare

  1. Schlafen in Baumhäusern hört sich so romantisch an! 🙂 Ein schöner und ausführlicher Artikel. Deine Seite gefällt mir wirklich gut, auch (oder besonders) weil du so viele Gedanken und Statements unterbringst. Viele Grüße, Kuno

    1. sei_dir_selbst_bewusst sagt: Antworten

      Ja, es war auch sehr romantisch und unbeschreiblich schön inmitten der Natur zu wohnen. Minimalismus kann echt toll sein. Danke für dein Feedback und ich freue mich, dass dir die Seite gefällt. Liebe Grüße, Darina-Marie

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