Indien – über Mut und Umweltbewusstsein

Bei solch miesen Wetter in Deutschland, schwelge ich gern in Erinnerungen an fremde (und vor allem warme) Länder. Gerade habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der frisch aus Indien zurück ist und das gab mir den Anlass heute endlich einen Artikel zur Kategorie Travel zu verfassen. 2012-2013 habe ich ein paar Monate in Indien gelebt und die wohl extremsten Situationen kennengelernt. Es war nicht mein erstes Fernziel in das ich alleine reiste, aber doch sollte dieses Land anders als alles andere sein, was ich je gesehen hatte. Vor kurzem viel mir ein Buch in die Hände (zufälliger Weise als ich diese Jahr in Malaysia volontierte) und die ersten Seiten beschrieben einen jungen Mann der das erste Mal nach Indien reiste. Er schilderte dass sein allererster Eindruck als er am Flughafen landete der Geruch war. Das hatte wohl so eine Wirkung bei ihm hinterlassen, dass er zwei oder drei Seiten widmete nur diesen Geruch zu beschreiben. Und auch ich kann mich an den Geruch noch sehr genau erinnern und automatisch ist das einer der ersten Impressionen die man wohl in Indien hat.

Indien

Indien ist bunt, laut, belebt und einfach geruchsintensiv. Kein Wunder bei den ganzen Gewürzen und Kräutern an jeder Ecke. Und natürlich dem ganzen Dreck. Oftmals sind Touristen aus westlichen Ländern geschockt, wenn sie in Entwicklungsländer fahren. In dem Hotelprospekt war doch alles so super schön, wie wir es aus Spanien etc. gewohnt sind… Aber die Menschen sind dort einfach noch ein paar Jahre zurück. Zwar wird ab und zu für die Touristen der Müll vom Strand gefegt, aber in den nächsten Urwald gekippt. Müll ist nur ein Thema wenn es um Tourismus geht. Aber eigentlich sollte es ja ein Umweltthema sein. Als ich in Goa von meinem Bungalow ans Meer wollte und durch den kleinen Urwald musste, der die Straße mit den Gasthäusern vom Strand trennte, konnte ich mich kaum durch die Müllberge durchkämpfen. Ich beschwerte mich, wie man denn so einen Dreck machen kann wie so viele andere Touristen auch. Aber wo liegt denn das Hauptproblem von dem ganzen Gestank und Müll? Es gibt (teilweise) keine organisierte Abfallwirtschaft wie bei uns. Und was wäre die Lösung? Einfach weniger Müll zu produzieren! Gerade wir Touristen mit unserem Bewusstsein und Wissen über die Natur und die ökologischen Probleme, müssen einen Wandel mitgestalten. Weniger Plastik kaufen, ist ein guter Anfang. Flaschen kann man nachfüllen, auf Plastiktüten beim Einkaufen verzichten und das Getränk ohne Strohhalm bestellen. Eines dieser Erkenntnisse, über die ich nie nachgedacht hatte, wenn ich als Kind oder Jugendlicher mit meinen Eltern verreist bin. Alles mitnehmen was geht ohne Rücksicht auf Verluste, wir bringen ja schließlich unser Geld in das Land. Aber stattdessen sollten wir auch unsere Verantwortung und unseren Verstand mitbringen!

Indien Weihnachtsbaum aus Plastikflaschen

Die zweite große Erkenntnis die ich machen durfte war: Sei mutig und positiv und dir wird nichts passieren. Als junge weiße Frau in Indien ist man sich viele Blicke sicher. Darüber hatte ich nicht im Geringsten zuvor nachgedacht. Zwar bin ich nicht naiv und weiß das andere Kulturen andere Geschlechterrollen haben, aber so krass habe ich es mir dann doch nicht ausgemalt. Um ehrlich zu sein, war es wirklich heftig. Diese Blicke ständig und überall sind teilweise belästigend. Und ich habe mich auch über mich selbst geärgert, weil ich irgendwann auch nicht mehr lächeln konnte sondern einfach nur noch genervt und wütend war. Irgendwann kann man gar nicht mehr unterscheiden, ob dir jemand an die Wäsche, an den Geldbeutel oder wirklich nur freundlich sein will. Aus Angst vor ersteren baut man sich schon automatisch eine Mauer auf und lässt sich auf Einheimische gar nicht mehr ein. Aber was soll ich in Indien wenn ich mich dann nur mit Europäern anfreunde? Zwar ist es normal, dass man sich wohler fühlt, wenn Menschen in der Nähe sind die einem nah sind (ob von der Herkunft, Sprache, Bildung etc.), allerdings lernt man da nicht so wirklich was dazu. Und ich wollte ja Land und Leute kennenlernen und nicht die Reiseberichte junger Franzosen durch den Subkontinent oder sowas. Also lies ich mich Stück für Stück darauf ein. Immer natürlich mit allen Sicherheiten die gegeben waren. Aber so lernte ich tolle Menschen kennen wie z.B. einen jungen Pakistaner der seit Jahren in Indien lebt und mir von den Problemen und Diskriminierungen erzählte die er aufgrund seines Geburtslandes hatte. All solche Dinge mit denen ich mich noch nie beschäftigt oder für interessiert hatte. Deswegen kann ich jedem nur empfehlen, seit mutig und bereise die Welt. Wenn man offen ist und dennoch umsichtig, können einem so tolle Dinge begegnen. Man lernt so viel und es bereichert einen für das ganze Leben. Manches kann man einfach nicht aus Büchern lernen, wenn man nur zu Hause auf der Couch sitzt. Die meisten Leute sterben nur ein paar Kilometer entfernt von dort wo sie geboren wurden und zwischendrin haben sie nicht viel mehr gesehen oder höchstens für zwei Wochen am Stück irgendwo Urlaub gemacht. Geh raus! Entdecke die Welt! Gerade Länder wie Indien, die einfach so anders sind und auch Angst machen können, sind es wert. Die Angst ist es einfach wert über Bord geschmissen zu werden. Viel zu viel tolle Abenteuer und Menschen warten da draußen auf dich.

Indien

Deswegen ist der beste Reisetipp, dich vorher nicht zu viel zu informieren. Folge deinem Gefühl, deiner Intuition, dann wird dir Großartiges widerfahren. Vor Ort habe ich mich dann meistens erst mit Politik, Geschichte und Religion beschäftigt und die Einheimischen gefragt woran sie glauben und wie sie leben und wofür sie brennen. Indien ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Auch wenn ich keine genaue Reiseroute hier vorgeben kann oder möchte. Ich habe in Pune gewohnt und dort auch den berühmt berüchtigten Osho Ashram besucht und damals ihn für einen Spa für Reiche erklärt anstatt das Gefühl zu haben einen hoch spirituellen Platz zu besuchen. Mumbai und seine atemberaubenden Bauten sind auch wert zu sehen. In Neu Delhi war ich nur um mir das Taj Mahal in Agra anzuschauen. Ansonsten habe ich nicht eine positive Erinnerung an die indische Hauptstadt. Was vielleicht auch daran lag, dass ich damals nach sechs gesunden Monaten doch von einer Salmonellenvergiftung heimgesucht wurde und es mir richtig schlecht ging. Aber auch hier gibt es keine Regel zu beachten wie z.B. niemals Streetfood zu essen. Im Gegenteil, ich liebe es auf der Straße zu essen. Am besten dort wo auch alle Einheimischen essen, auch wenn deren Magen einfach an andere Dinge gewohnt ist, schmeckt es dort am Besten und krank kann man auch im Sterne-Hotel werden. Ich mag es nicht zu pingelig zu sein oder zu viel zu desinfizieren, dann kann ich auch in Deutschland bleiben. Der Spruch ist zwar alt aber dennoch so war: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Und solang du einen gesunden Geist und Körper hast, kann dir kaum viel passieren.

Ansonsten kann ich nur den Süden Indiens empfehlen! Auch wenn Goa schon überlaufen ist und von den Hippies aus den 60ern nicht mehr viel über ist, ist es doch ein magischer Ort. Ebenso die Backwater von Kerala. In Kochi habe ich am Strand mit tausend Indern und null Touristen (wahrscheinlich weil Alkohol dort verboten ist) Silvester gefeiert. Das war ein Wahnsinnsgefühl in einer komplett anderen Welt zu sein und so gut wie keine Parallelen zu meinen gewohnten Traditionen zu finden.

Indien

Indien ist einen Besuch wert, nicht nur weil dort viele Ursprünge der Spiritualität liegen, sondern auch weil es in keinem anderen Land so viele Sprachen und Religionen gibt und die meisten Menschen trotz dessen friedlich zusammen leben. Nirgends ist die Spanne zwischen arm und reich so groß. Denn nicht nur die ärmsten Menschen leben hier in den Slums, sondern tatsächlich auch die meisten Milliardäre. (Bollywood macht erstaunlicher Weise mehr Umsatz als Hollywood.) Ein Wahnsinnsland und trotz so vieler Schockmomente bei denen mir der Mund offen blieb, eine der besten Erfahrungen in meinem Leben und sicher hat mich dieser Sprung ins kalte Wasser zu dem Menschen gemacht der ich heute bin.

Indien   Indien

Indien   Indien

Indien   Indien


Lies auch einen meiner anderen Blogpost z.B. über meine Erfahrung in Australien oder meine Reise nach Malaysia.


Ich freue mich sehr über ein Like bei Facebook und halte dich dort gern über die neusten Artikel auf dem Laufenden oder trage dich auch gern in den Newsletter ein 😉

2 Kommentare

  1. Angela Pintar sagt: Antworten

    Hallo
    Ich hab zwar nicht in Indien gelebt aber ich war auch alleine in Indien.Ich war zwar nur 4 Wochen und war mit dem Zug unterwegs von New Dehli-Varanasi-Mumbai-Goa-Kochi und es war für mich einer der schönsten Trips die je gemacht habe es war eine grosse Herausforderung und dieses Land hat mich sehr verändert!
    Und das was du geschrieben hast so empfinde ich auch!Das Land ist es wärt es zu bereisen und ich bereue gar nichts und werde auch irgend wann wieder nach Indien gehn!

    1. sei_dir_selbst_bewusst sagt: Antworten

      Genau, wenn man den Mut gefasst hat geht man als gestärkter Mensch daraus hervor. Auch wenn es tatsächlich eine Herausforderung ist. Interessant zu wissen, dass du es genau wie ich empfunden hast.:)
      Liebe Grüße, Darina-Marie

Schreibe einen Kommentar