Die Kanaren – so nah und doch so fern

Kanaren

Letzten Monat bin ich dem kalten deutschen Winter entflohen und habe für ein paar Tage auf den Kanaren Vitamin D getankt. Zum ersten Mal habe ich Gran Canaria besucht. Letztes Jahr habe ich dasselbe getan und bin mit einem Billigflieger nach Teneriffa für eine Woche geflogen. Das war einfach traumhaft. In Berlin mit dicker Jacke, Mütze und Schal losgezogen und obwohl ich erst abends gegen 8 im Hostel ankam, habe ich noch meine Shorts angezogen weil es so warm war. Unglaublicher Temperaturwechsel nach nur 5 Stunden Flug. Vorheriges Jahr bin ich alleine auf die Kanaren geflogen und habe mich in einem Surf-Hostel in ein 8er-Zimmer einquartiert. Hätte mir vorher einer gesagt, dass ich mir mit 7 Kerlen aus den verschiedensten Ländern das Zimmer teile als einziges Mädel, hätte ich vermutlich gezögert und evtl lieber ein Einzelzimmer gebucht. Hostels sind immer so eine Sache wenn man nicht dem männlichen Geschlecht angehört. Persönlich habe ich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, außer einmal als in Bratislava mir ein Spanier in der Nacht als er betrunken zurück kam an den Zeh gefasst hat. Da war ich aber auch nicht allein sondern mit einer Freundin und das war auch eher lustig als beklemmend. Trotzdem ist es leider immer beim Reisen eine andere Kiste ob man männlich oder weiblich ist. Als Typ ist es meist egal wie und wo man pennt. Also Frau muss man bedenken, wie und wo man sich umzieht um den teilweise gierigen Blicken auszuweichen und was man zum Schlafen anzieht auch wenn es brüllend heiß ist. Was ich jedoch zum Ausdruck bringen möchte ist, dass Ängste einen immer in unangenehme Situationen bringen. Wenn man allerdings mutig ist und von der Annahme ausgeht das man einfach genug Respekt erfährt und das auch ausstrahlt, dann wird das auch so passieren. Das hat nichts mit Naivität zu tun aber wie es so schön heißt: Where focus goes, energy flows. Deswegen sollte man sich nicht auf negative Gedanken und Ängste einlassen.

Ich liebe es allein zu reisen, weil man eben keine Ahnung vorher hat, was einen erwartet! Und abends im Hostel angekommen, sprach mich eine Holländerin an und fragte ob ich mit auf die Dachterasse kommen wolle zu Bier und Pizza. Klar! Das liebe ich an Hostels und würde ich niemals hergeben für die ‚Sicherheit‘ zu Haus zu bleiben oder sich im Hotelzimmer einzusperren. Die Jungs aus meinem Zimmer lernte ich dann auch gleich besser kennen und es war ein toller erster Willkommensabend. Am nächsten Tag erkundete ich dann erstmal die Umgebung. Ich habe es auch lieben gelernt, total unvoreingenommen und uninformiert neue Länder zu bereisen. Früher habe ich mir immer zuerst den Lonely Planet oder Marco Polo Reiseführer vorgenommen, mittlerweile find ich es toll keine Ahnung zu haben was mich erwartet.

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Ich fühlte mich auf anhieb so wohl. Ich kam mir vor wie bei ‚Die Sims‘ alles war so hübsch und niedlich. Eine Bank, eine Palme, eine Bank, eine Palme. Und ein Haufen Rentner! Aber deswegen war auch alles darauf ausgerichtet genügend Sitzflächen zum Ausruhen zu haben, Schattenplätze, Duschen am Strand und alles was die älteren Herrschaften so schätzen. Aber es gefiel mir dennoch super. Ich war ja eigentlich zum Surfen hergekommen und auch da wurde ich nicht enttäuscht. Am ersten Tag relaxte ich nur am Strand und sah den anderen Surfern zu und am zweiten Tag leihte ich mir dann ein Brett aus und versuchte selbst mein Glück. An dem Surfspot wo ich war, waren allerdings viele Felsen. Man musste also erst einmal versuchen über die rutschigen Steine zu klettern und eine Weile rauszupaddeln um von den Wellen nicht auf die Felsen gespült zu werden. Auf dem Wasser lernte ich dann noch einen netten Typen kennen. Ich habe keine Ahnung mehr woher er kam aber er erzählte mir, dass er jetzt erstmal hier wohne und es easy sei sich mit Promotion-Jobs über Wasser zu halten. Denn das kam noch dazu warum die Kanaren so zu empfehlen sind: alles ist echt günstig! Und man muss ja noch nichtmal die Währung wechseln.

Leider hatte ich beim Surfen nicht so viel Glück. Erst gab es keine guten Wellen die ich reiten konnte und die einzige perfekte Welle die dann kam, schleuderte mich zu weit an den Strand und ich verletzte mein Knie an den Felsen. Halb so wild, nur hatte ich für den Tag dann genug. Surfen ist ja so eine Sache: Es müssen so viel Konditionen passen um den ultimativen Spaß zu haben, aber allein das Vorbereiten darauf befriedigt meine Vorfreude schon allein auch wenn ich am Ende dann keine gute Welle reiten kann. In Thagazout in Marokko, in Lombok in Indonesien und auch dort in Teneriffa macht es immer noch eine ganze Ecke mehr Spaß -zumindest für meine Anfänger-Künste- als in Australien. Da sind mir die Wellen einfach zu heftig oder ich hatte mit meinen Surf-Spots einfach immer Pech.

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Auf dem Rückweg ins Hostel traf ich dann wieder die nette Holländerin, die mich fragte ob ich Lust habe mit ihr am nächsten Tag einen Vulkan zu besteigen. Meisten würde ich auf solche Ideen nicht allein kommen und finde es umso geiler wenn mich dann Leute für diese Aktivitäten begeistern. Selten würde ich nein sagen, wenn mir jemand was vorschlägt was ich zwar gar nicht im Kopf hatte, sich aber verlockend und abenteuerlich anhört. Gesagt, getan und wir fuhren am nächsten Tag mit dem Bus Richtung Hinterland zum Pico del Teide. Ich war so super froh über die Gelegenheit, denn auf dem Weg gab es so viel zu sehen. Diese Insel war der Wahnsinn. Die Vegetationen änderten sich alle paar Fahr-Minuten. Von Palmen und Sand über fruchtbare Obstplantagen bis hin zu Nadelbäumen. Auch von Bikini-tauglichen Sommerwetter bis hin zu Schnee und dickem Schal. Es war super und wir hatten eine Menge Spaß beim Wandern. Wandern ist ja eher ein Wort was junge Leute abschreckt und deswegen nennt man es jetzt Tracking oder Hiking oder irgendwas cooles Englisches. Und auch ich bin jedesmal nicht gerade vor Begeisterung explodiert wenn meine Großeltern mit mir wandern wollten. Mittlerweile versteh ich aber den Spaß dahinter und würde mich ganz freiwillig melden. 😉

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Als wir zurück im Hostel ankamen und ich meine Sachen in mein Schließfach packen wollte, musste ich unter Schock feststellen, dass all meine Wertsachen verschwunden waren. Panik! Die süße Holländerin beruhigte mich gleich und sagte mit Sherlock Holmes-Manier, dass wir schon alles wieder finden würden. Dann begann tatsächlich eine Art Detektiv-Spiel. ‚Meine Jungs‘ die auf der Dachterrasse wie immer chillten, ließen sogar ihren Joint fallen um mich bei der ‚Mission‘ zu unterstützen. Irgendwie stellte sich heraus, dass ein neuer englischer Gast einen zweiten Schlüssel ausgehändigt bekommen hatte. Dieser hatte unter großem ‚Theater-Spiel‘ das Schließfach im Flur geöffnet, sodass alle sahen dass er direkt meine Wertsachen beim Hostel-Angestellten abgegeben hatte. Komischerweise war aber mein Geld und auch einige andere Dinge nicht mehr da, als ich mein Portmonee und meine anderen Dinge endlich zurück bekam. Die Spurensuche ging weiter. Am Ende hatten alle ihren Spaß mit Verdächtigungen und Zeugenbefragungen, doch wer oder was passiert ist, war mir am Ende egal. Da das Hostel ihren Fehler (mit der Schlüsselvergabe) bereinigte und mir das Geld was ich vermisste aus der Kasse auszahlte, fragte ich nicht länger nach ob einer der Angestellten das Geld eingesteckt hatte oder doch der Engländer, wie alle vermuteten, zuvor schon das Schließfach geräumt hatte. Jedenfalls checkte er komischerweise direkt am nächsten Tag wieder aus. Die Holländerin reiste auch vor mir ab und als mein letzter Abend sich näherte und ich zurück vom letzten Strandbesuch kam, hatte die Jungs für mich ein kleines Abschieds-BBQ organisiert. Wie süß! Ich glaube wirklich nicht, dass man so schnell und so innige Freundschaften außerhalb vom Reisen schließt. Teneriffa ist auf jeden Fall für jede Zielgruppe eine super Empfehlung.

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Dieses Mal war ich nun in Gran Canaria. Fünf Stunden nachdem wir in Berlin starteten landeten wir in tropischen Gefilden. Ich finde das immer wieder ein mega Gefühl. Wenn ich schon Palmen am Flughafen sehe, steigt mein Glückspegel sofort an. Diesmal hatte ich meinen Freund überraschen wollen und ihn einfach zum Flughafen geschleift ohne dass er wusste wohin es ging. Da er aus Australien kommt und von europäischer Geografie so überhaupt keine Ahnung hatte, war es einmalig sein Gesicht zu sehen, als er sich die dicke Winterjacke in Las Palmas vom Körper schälte. Da die Kanaren ja zu Spanien gehören und dennoch südlicher als Nordafrika sind, ist es ein wirklich einmaliges Gefühl so nah und doch so fern zu sein! Die spanische Mentalität, die europäischen Gewohnheiten und on top das tropische Klima. Was will man mehr?

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Diesmal hatten wir nicht ganz so viel Zeit und da die Wellen zum Surfen einfach auch nicht optimal waren und wir auch keine Lust auf großes Sightseeing und Inselerkundungen hatten, tat es einfach so gut zwei Tage komplett am Strand zu entspannen und Sonne zu tanken! Deswegen habe ich leider nicht so viele Erfahrungen von tollen Plätzen die man gesehen haben muss. Außer das mal wieder die Dachterrasse des Hostels ein Highlight war, obwohl wir diesmal ein Doppelzimmer hatten. Aber die Kontaktfreudigkeit ist trotzdem die gleiche wenn man mit allen zusammen kocht und zu Abend isst. Außerdem arbeiten oft Nicht-Einheimische als Aushilfen in diesen Hostels, die einen dann eine Menge Tipps geben und ebenso Anschluss suchen, da sie auch nicht dort zu Hause sind. Wir lernten einen Franzosen kennen der in den Bergen eine alternative Schule aufbaute, einen Engländer der nach seiner Schicht im Hostel noch mit seiner Gitarre an der Promenade entlang zog und einen Deutschen der neben seiner Hostel-Arbeit Ketten und anderen Schmuck bastelte und verkaufte. Ich kann nicht oft genug sagen, wie ich solche Gespräche und Begegnungen genieße. Nirgendwo anders kommt man so schnell ins Gespräch und tauscht sich über gegenseitige Interesse und Erfahrungen aus. Man ist total ungezwungen und wenn man keine Lust mehr hat zieht man einfach weiter. Großartig!

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In jedem Falle sind die Kanaren absolut zu empfehlen. Vor allem wenn man dem grauen, kalten Winter mal kurz entfliehen und nicht gleich das große Budget raushauen will. Also packt euren Rucksack und los geht’s. Und wenn keiner mit will, dann einfach allein! Man nimmt so viel mit und wird es am Ende auf keine Fall bereuen! I promise 😉

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