Australien – Das Land Down Under

Goldcoast Australien

So gut wie jeder Deutsche träumt einmal vom Frühstück mit Kangaroos und Koalas am anderen Ende der Welt. Australien ist eines der beliebtesten Ziele für ein Work & Travel-Jahr und viele Backpacker zieht es auf den Kontinent, wo sich das Leben fast nur in Strandnähe abspielt. Nur ich war nie so richtig euphorisch darüber einmal nach Australien zu reisen. Während ich in Indien wohnte, traf ich viele tolle Menschen von überall her. Auch freundete ich mich mit einem Australier an, dessen offene, großzügige und herzensgute Art mich sofort überwältigte. Da wir viel Zeit mit einander verbrachten, war ich sehr traurig als sich unsere Wege trennen sollten als wir beide Indien verließen. Dann aber lud er mich in seine Heimat nach Warragul ein. Da ich gerade eine Bafög-Rückzahlung bekommen hatte und er mir anbot bei seinen Eltern zu wohnen, fackelte ich nicht lang, nahm das Angebot an und buchte meinen Flug nach down under. Die Chance ließ ich mir nicht entgehen und so saß ich ein paar Wochen später im Flieger nach Melbourne. Mein erster Eindruck war: ‚Kälter als gedacht’. Im Gegensatz wie wir es gewohnt sind in Europa, wird es in Australien je südlicher man kommt immer kälter und der Äquator liegt Richtung Norden. Die Eltern von meinem Kumpel Nic nahmen mich herzlich auf und zu meiner Überraschung hatte ich ein eigenes kleines Ferienhaus auf ihrem Grundstück ganz für mich allein. Es war super luxuriös und alle waren total gastfreundlich und großzügig. Nur lag Warragul ein wenig weit ab vom Schuss, sodass ich immer mit dem Zug nach Melbourne fahren musste oder Nic nahm mich morgens auf dem Weg zur Arbeit im Pickup mit. Aber auch Melbourne hatte nicht unbedingt das zu bieten was ich mir erhofft hatte. Außer dass ich einen alten Klassenkameraden besuchte und ein paar coole Straßen mit netten Pubs entlang schlenderte war alles ziemlich grau und gefiel mir nicht besonders. Kein Strand, keine Sonne. Das Einzige was mir aber wirklich positiv auffiel, waren die zauberhaften Menschen. Jeder lächelte mich auf der Straße an, das war ich aus Deutschland nicht gewohnt. Hier wird man höchstens als Kiffer abgestempelt, wenn man lächelnd allein durch die Straßen rennt. Jeder bot mir einen Sitzplatz an, sobald Leute bemerkten ich war allein, luden sie mich in ihre Runde ein, auf den Damenklos schloss ich die schnellsten Freundschaften überhaupt und jeder war so hilfsbereit, dass mir wirklich das Herz aufging. Als ich einmal an der Haltestelle saß und ein Punker-Mädchen mich anstarrte und ich sie in meinem Kopf schon verurteilte und überlegte was sie denn von mir schnorren wollte, trat sie zu mir und sagte: „You have really beautiful eyes!“ Vor lauter Scham vor meinen schlechten Gedanken stammelte ich nur ein „Thanks“ und dachte „wow, you made my day!“

Melbourne Australien

Als mir langweilig wurde in Melbourne buchte ich einen Billigflieger nach Sydney. Dort angekommen schlief ich das erste Mal in meinem Leben in einem Dorm mit 10 Leuten im Hostel. Gar keine so schlechte Erfahrung in Australien. Auch dass das Hostel eine Clubtour organisierte mit Taxi, Eintritt und dem ersten Drink inklusive begeistere mich natürlich total und ich lernte so gleich viele Leute kennen. Normalerweise stehe ich nicht auf die normalen Touristenattraktionen aber wenn man nicht viel Zeit für eine Stadt hat und keine richtige Ahnung was man sich überhaupt anschauen will, kann ich eine Bustour immer empfehlen. In London muss man dafür z.B. nicht mal den roten Sightseeing Bigbus nehmen, sondern man sieht schon mit dem Linienbus fast alle Sehenswürdigkeiten. In Sydney entschied ich mich aber für die geführte Sightseeing Hop-On-Hop-Off Tour weil die auch vergleichsweise günstig für Australien war. Und das allercoolste ist, dass der Bus auch am Bondi Beach stoppt, wo ich mich erstmal zwei Stunden an den Strand in die Sonne legte und die Surfer bestaunte. An meinem letzten Tag in Sydney fuhr ich mit der Fähre nach Manly, weil mir jemand erzählt hatte, dass man dort Pinguine beobachtem kann. Leider wartete ich vergebens, aber als ich zurück fuhr hatte ich einen mega Blick auf die Skyline von Sydney im Sonnenuntergang. Das allein war es auf jeden Fall wert.

sydney australien

Zurück in Warragul plante ich den nächsten Trip: Ich wollte die Great Ocean Road mit einem Camper Van entlangfahren. Auf Gumtree.com stellte ich meine Anfrage ein und traf mich am nächsten Tag mit zwei Leuten die auch Bock darauf hatten. Lustiger Weise waren es auch zwei Deutsche und wir teilten uns die Miete für den Camper Van. Da ich gern Auto fahre und die beiden sich nicht zutrauten mit einem schrottigen Van (der niemals durch den Tüv gekommen wäre) an den engen Klippenstraßen auf der linken Seite zu fahren, setzte ich mich ans Steuer. Was für ein geiles Gefühl. Diese alte Karre mit ACDC Graffiti und diese traumhafte Landschaft waren einfach unglaublich und gaben mir ein riesen Gefühl von Freiheit. Wir hielten einfach an, wenn uns was gefiel und blieben so lange wir Lust hatten. Morgens fuhren wir direkt zum Strand (da wir ja die ganze Zeit am Meer entlang fuhren), parkten unsere Van dort und frühstückten im Sand. Australien ist extrem gut für Touristen bzw. Backpacker ausgestattet. Es gibt an jeder Ecke saubere kostenlose Toiletten und überall Sitzbänke und Tische zum Picknicken und das Beste: BBQ! Man muss nur auf einen Knopf drücken und schon wärmt sich die Grillplatte auf und man kann sein Essen warm machen bzw. sein Fleisch und Gemüse grillen. Und das überall öffentlich! Unterwegs sahen wir Koalas, fütterten Kakadus und andere farbenfrohe Vögel und mussten mit dem Autp mehrmals über-die-Straße-hüpfenden Kängurus ausweichen. Ein unglaublich großartiger Trip und diese Zeit werde ich sicher auch nie vergessen. Schon allein sich die Matratze im Wagen mit zwei Fremden zu teilen, war eine Erfahrung wert und viel lustiger als gedacht. Wobei ich natürlich Glück hatte mit einem deutschen Mädel was zwei Jahre älter war und einem 18-Jährigen Abiturienten.

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Auch mein Kumpel Nic machte mit mir einen Ausflug nachdem ich zurück war und wir fuhren nach Philip Island. Dort übernachteten wir bei Freunden von Nic und verbrachten ein tolles Wochenende in diesem kleinen Paradies. Diesmal sah ich auch endlich Pinguine. Oh mein Gott sind die süß. Wenn die Sonne untergeht lassen sie sich an den Strand spülen und es sieht aus als ob sie einfach eine riesen Pinguin-Party feiern. Die kleinen Kerle rennen immer wieder um die Wette in die Wellen und lassen sich dann umwerfen und zurück spülen. Ich habe keine Ahnung warum sie das machen, aber ich hätte stundenlang zugucken können.

Philipp Island Australien

Mein Resume meines Australienaufenthalts war: traumhafte Landschaft, liebenswerte Menschen aber relativ teure Lebenskosten. Nichts ahnend, dass ich wieder hierher zurückkommen sollte. Falls du noch eine Gebrauchsanweisung für Australien brauchst, findest du diese hier 😉

Im letzten Jahr passierte dann was ich nie geplant hatte. Aber Liebe kann man ja eh selten planen. Ich verliebte mich in einen Australier den ich in Berlin kennenlernte. Ich wollte gerade meinen Job kündigen bzw. meinen Vertrag nicht verlängern und nochmal auf Reisen gehen und er wollte gern in Berlin bleiben. Da mich aber keiner von meinen Reiseplänen abbringen konnte, entschied er sich mitzukommen mit der Vereinbarung dass wir für eine Weile in Australien zwischenstoppen damit er dort Geld verdienen konnte. Also kam ich nun wieder zurück in dieses Land und lernte es diesmal auf eine andere Art und Weise kennen.

Dieses Mal verbrachte ich natürlich mehr Zeit mit Australiern und hatte andere Gespräche und Begegnungen. Auch von der Geschichte der Aborigines erfuhr ich diesmal intensiver. In den 60er Jahren war es noch okay einen Uhreinwohner totzuschlagen und in seinem Garten zu vergraben oder eine Aborigine-Frau zu vergewaltigen und dafür nicht vor Gericht zu kommen. Grauenvoll! Auch hatte ich diesmal die Erfahrung gemacht, dass die Einwohner Australiens stark durch die Regierung eingeengt werden. Die Verantwortung des Einzelnen wird weggenommen und Gesetze für die Masse beschlossen. Die neuen Einwohner des Kontinents sah ich mit anderen Augen. Sie lebten wie in einer schönen Scheinwelt und liefen mit ihren Chanel-Handtaschen die Promenade entlang und hatten eher selten tiefgründige Gedanken. Das war zumindest meine Erfahrung von der Mehrheit der Menschen dort. Was zählt ist wer die meiste Kohle hat und am besten aussieht. Frauen tragen meist viel zu viel Make-Up und kümmern sich ausschließlich um ihre Bikinifigur, ihre Outfits und Nägel und haben leider oft einen großen Mangel an Selbstbewusstsein. In einem Club an der Goldcoast in Surfers Paradise hatte ich die merkwürdigsten Begegnungen mit Frauen die alles taten für ein wenig Aufmerksamkeit. Diese Gedanken teilte ich mit meinem Freund und er bestätigte, dass es oftmals nur um Oberflächlichkeiten bei den meisten Leuten geht. Ich war froh, dass er eine Ausnahme der Schickimicki-Gesellschaft war und sich auch mit tiefsinnigen Themen befasste. Ich will auch um Gottes Willen nicht sagen, dass alle Australier oberflächlich und stupide sind, aber mein zweiter Besuch zeigte mir, dass es oft über den üblichen Smalltalk nicht hinausging. Ich war nun auch kein wirklicher Tourist, konnte mich dennoch schwer in das Leben dort integrieren. Klar, war es cool täglich mit dem Skateboard zum Strand zu rollen um dann ein paar Stunden zu surfen, aber ich vermisste gute Gespräche und Treffen mit Freunden wo Alkohol das einzige Betäubungsmittel war. Mir kam es so vor als ob den meisten jungen Leuten langweilig von dem Leben ist wovon so viele Deutsche träumen und sich deshalb gern ständig berauschen. Aber es gibt natürlich auch positive Dinge die ich feststellte. Die Mentalität ist einfach super entspannt. Planen, Organisieren oder sich festlegen gehört nicht zu den Fähigkeiten auf die viele Bewohner Australiens wertlegen. Für mich als deutscher Kontrollfreak natürlich erstmal schwer zu verstehen. Oftmals musste ich meine Geduld ganz schön auf die Probe stellen und erst einmal lernen Dinge einfach so zu nehmen wie sie kommen und zu vertrauen, dass dann schon alles so richtig ist und gut wird. Eine wichtige lesson im Leben. Das Zusammenleben mit einem Australier vor allem in einer Liebesbeziehung war durch die kulturellen Unterschiede doch schwieriger als gedacht. Schwierig ist wohl das falsche Wort, eher interessant und überraschend.

Wasserfall Australien

Alles in allem sollte jeder einmal die Erfahrung gemacht haben Menschen kennenzulernen die das ganze Jahr am Meer leben und eine unendlich entspannte Mentalität haben. Von dieser lockeren Lebenseinstellung können wir uns Deutsche auch mal etwas abgucken. Vor allem vom Lächeln, dass die meisten immer im Gesicht haben. Eigentlich fühlt man sich immer willkommen und gleich aufgenommen. Nur findet man halt manchmal auch heraus, dass diese Nettigkeiten oft oberflächlich sind. Die Tier- und Pflanzenwelt ist allerdings auch auf jeden Fall einen Besuch wert und um einfach mal den Rucksack zu packen und alleine los zu ziehen, ist das Land perfekt geeignet. (Gerade auch für Frauen, da die Kriminalität in Australien sehr gering ist.) Wir sollten versuchen die perfekte Mischung zwischen den beiden Kulturen in uns selbst zu finden. Freundlich und hilfsbereit mit einem Lächeln auf den Lippen täglich die Dinge nicht ganz so ernst nehmen wie die Australier und deutsche Verhaltensweisen wie Loyalität, Ehrlichkeit und Wissenshunger zusammen vereinen.


Lies auch einen meiner anderen Blogpost z.B. über mein Leben in Indien oder meine Reise nach Malaysia.


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5 Kommentare

  1. Einfach schöne Erinnerungen an eine traumhafte Reise, die ich diesen Sommer genießen durfte.

    Wie lange warst du dort?

    LG Katja

    1. sei_dir_selbst_bewusst sagt: Antworten

      Hi Katja, das erste mal war ich 3-4 Wochen und das zweite mal 3-4 Monate in Australien 🙂
      Wie lange warst du unterwegs? LG Darina-Marie

  2. Australien, mein Herzensland. Ein sehr schönes Fazit hast du da gezogen – ich denke auch, dass wir uns gegenseitig einfach ein paar Scheiben abschneiden können. Dann erhalten wir eine super Mischung. Die Mentalität der Menschen hier begeistert mich aber auch jeden einzelnen Tag!

  3. Lali sagt: Antworten

    Ach Katja du sprichst mir aus der Seele auch wenn ich dich nicht kenne – das war ein toller Blogpost!

    1. sei_dir_selbst_bewusst sagt: Antworten

      Hey Lali, ich danke dir! Aber ich heiße Darina 😉 liebe Grüße

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